Heimat Compe-Halle: Dieter de Hesselle über Sport und Gemeinschaft

Dieter de Hesselle vor dem Abriss in der Compe-Halle
Dieter de Hesselle vor dem Abriss in der Compe-Halle

Für Dieter begann der Weg zum Sport nicht als Hobby, sondern als medizinische Notwendigkeit. Im Jahr 1949 führte ihn eine schwere Armverletzung zum TSV Schwarzenbek. Die Diagnose des Arztes war damals: Entweder bleibt der Arm gelähmt oder du fängst an, Sport zu treiben. Dieter entschied sich für das Turnen und legte damit den Grundstein für eine über 75 jährige Vereinsgeschichte.

 

Die frühen Jahre

 

In seinen Anfangsjahren im Verein lag der Fokus ganz auf klassischem Turnen und dem Erwerb des Sportabzeichens. Eine besondere Erinnerung hat er an den 400 Meter Lauf beim Sportabzeichen. Dieter gab auf der Bahn alles, doch als die Uhr stehen blieb, fehlten ihm vier Zehntelsekunden zur geforderten Norm und das bei einer Handstoppung durch den Prüfer! Als dieser ihm vorschlug, er solle direkt noch einmal an den Start gehen und es sofort wieder versuchen, lehnte Dieter ab. Für Dieter kam das nicht infrage. Ohne ein weiteres Wort stieg er auf sein Fahrrad und radelte nach Hause. Die fehlenden Zehntelsekunden waren ihm in diesem Moment egal, denn der Feierabend war ihm deutlich wichtiger als die Urkunde.

 

 

Judo: Von olympischen Matten und vollen Hallen

 

Nach einer kurzen Unterbrechung in den 60er Jahren, als ihn seine Hochzeit nach Reinbek führte, kehrte er 1970 zum TSV zurück und übernahm die Leitung der neugegründeten Judoabteilung. Es war eine Zeit des Booms, aber auch der harten Bedingungen. In der oft sehr kalten Kleinturnhalle der Compe Schule trainierten zeitweise 81 Mitglieder auf gerade einmal 80 Quadratmetern.

 

Ein besonderer Coup gelang der Abteilung nach den Olympischen Spielen 1972 in München, als sie originale olympische Judomatten günstig erwarben. Dass diese schweren Matten vor jedem Training neu ausgelegt werden mussten, nahm Dieter sportlich: „Das Verlegen allein hat sich schon wie Sport angefühlt.“ Sein Motto war dabei immer klar: Ein Satz wie „Wir sind ausgebucht“ kam für ihn nicht infrage. Er sah es als seine Verpflichtung an, jedem das Sporttreiben zu ermöglichen. Im Zweifel musste man eben zusammenrücken.

 

Die Jedermänner

 

Anfang der 70er Jahre stieß Dieter zu den Jedermännern dazu. Über 50 Jahre lang prägte er diese Gruppe, die weit über das Sportliche hinauswuchs. Neben Gymnastik, Faustball und den geliebten Volleyballspielen bei denen die Bälle laut Dieter „so richtig durch die Halle flogen“ stand das Gemeinschaftsleben im Mittelpunkt.

 

Dieter kümmerte sich um die Finanzen und organisierte Grünkohlessen, die teilweise über 100 Teilnehmer anzogen. Auch die Ausfahrten, etwa nach Lüneburg oder Hamburg, waren besondere Highlights. Besonders bemerkenswert war der soziale Zusammenhalt: Wenn am Ende eines Jahres Geld in der Gruppenkasse übrig war, spendeten die Jedermänner den Betrag an die Pampersgymnastik und das Eltern Kind Turnen. Dieter erklärte diese Tradition damit, dass die älteste Gruppe im Verein die jüngste unterstützt.

 

Ehrenamt und Engagement

 

Am 27.02.2005 wurde Dieter zum Vorsitzenden des Kreisturnverbandes (KTV) gewählt. In dieser Zeit pflegte er die Kontakte zu den Vereinen im Kreis und nutzte Möglichkeiten beim Landesturnverband, um Fördermittel zu beantragen. So konnte eine mobile Tonaufnahmeanlage für die Leistungsturnerinnen des TSV finanziert werden. Da sich schließlich kein Nachfolger fand, gab er den Vorsitz später als vakant an den KTV zurück.

 

Erinnerungen und Blick nach vorn

 

Mit dem Abriss der Compe Halle und dem Älterwerden der Teilnehmer wurden die Jedermänner schließlich aufgelöst. Die Compe Halle und die dazugehörige Schule waren für Dieter Orte seiner Kindheit. Als ehemaliger Schüler verbindet ihn eine tiefe Bindung mit dem Gebäude; besonders der Raum 12 weckt in ihm alte Erinnerungen.

Dem Abriss blickt er daher mit ein wenig Wehmut, aber vor allem mit großer Zuversicht entgegen. Er freut sich auf den Neubau und ist überzeugt: „Das wird schön werden.“ Dieter selbst hat mittlerweile einen neuen sportlichen Unterschlupf im Rehasport gefunden. Er ist sichtlich glücklich darüber, weiterhin Teil jenes Vereins zu sein, der 1949 mit einer Verletzung begann und längst zu seiner sportlichen Heimat geworden ist.